Wo das Leben weht…

So lautet der Untertitel dieses Blogs. Und so lautet auch das Entziffern des Sinnes des Lebens.
Das Leben zu entziffern, ist dies möglich? Sinnvoll? Notwendig?
Jeder muss diese Fragen für sich beantworten, denn es gibt keine wahre, richtige, endgültige Formel zum Leben.
Der Schreiber – wenn du willst, nenne ihn auch Autor – dieses Textes, ist kein Muttersprachler. Er ist vielmehr das, was wir in unserem Alltag als Ausländer kennen und bezeichnen.
Dieser Schreiber, auch Autor oder Ausländer genannt, findet Deutsch eine gute, schöne und zur Beschreibung von innerlichen Aspekten des Lebens sehr gut geeignet Sprache. Da er nun in diesem Land wohnt, findet er angebracht, sich von dieser Sprache nicht nur im Alltag zu bedienen, sondern auch um die schriftliche Anfertigung von Gedanken, um seine Betrachtungen und seine mehr oder weniger literarischen Versuche mit den deutschsprachigen Menschen hier zu teilen.
Ein für alle Mal: der Schreiber ist sich bewusst, dass er sich in seiner Muttersprache deutlich besser ausdrucken kann, aber er scheut sich vor Schönheitsfehlern nicht.
Wer etwas zum Ausdruck bringen möchte, muss damit rechnen, dass seine Fähigkeiten zu dieser Unternehmung begrenzet sind. Der muss sich aber auch bewusst sein, dass die Anerkennung dieser Tatsache in sich kein Hindernis ist.

Selbst wenn du dich in deiner Sache sehr gut auskennst, musst du immer damit rechnen, irgendwann an deine Grenzen zu stoßen. Dann muss du nur noch etwas unternehmen: deine Grenzen erweitern.

In meiner Muttersprache verfüge ich über ein breites Spektrum an Ausdruckmöglichkeiten. Ich habe Artikel, kleine Essays, Erzählungen und Gedichte geschrieben und veröffentlicht. Mit ihr kann ich mein Denken anderen Menschen leicht zugänglich machen. Ich kann die feinsten Nuancen finden, die einen Gedanken greifbar, ja gar sichtbar machen.
In der neuen Fremdsprache kann ich dies nicht. Ich „war“ Dichter. Ich veröffentlichte mein Gedichtband „Il poeta piace morto“ als ich noch sehr jung war. Ich hatte die Möglichkeit und die Fähigkeit, Gefühl, Vernunft, Tatsache, Wahrnehmung in Anklang zu bringen.
Bin ich jetzt kein Dichter mehr? Auf jeden Fall muss ich jetzt mit den Worten mehr denn je ringen und oft daran zweifeln, ob das, was ich ausgedruckt habe, wirklich das vermittelt, was ich mir einbilde. Ob es aussagekräftig ist oder stattdessen vielleicht gar armselig.

Der Dichter, drückt sehr gut metaphorisch Baudelaire in einem seiner Gedichte (Der Albatros) aus, obwohl er mit seinen großen Flügeln sehr hoch fliegen kann, ja höher als die meisten Menschen, befindet er sich in größter Verlegenheit, sobald er sich, auf Erde, mit dem „realen“ alltäglichen Leben konfrontiert. Glücklicherweise bin ich von Beruf bildender Künstler. Wenn ich ein Bild male, oder an einer Skulptur arbeite, spielt die gesprochene Sprache keine Rolle mehr. Nichtdestotrotz spielt die Sprache eine wesentliche Rolle in unserem Leben. An ihr kommt man nicht vorbei. Und ich möchte es auch nicht. Deshalb schreibe ich nun an diesem Blog.

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