Wozu Kunst?

Diese Frage ist schon eine kleine Herausforderung. Sie zu beantworten ist sehr wichtig, heute mehr denn je. Ja, heute ist es noch wichtiger eine bedeutende Antwort zu dieser Frage zu finden, weil immer mehr Menschen sich weiter auf den Weg der Entfremdung machen. Kunst, davon bin ich überzeugt, kann dagegen viel tun. Sie kann beitragen, dass die Menschen ihr Inneres wieder entdecken: die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gedanken beflügeln.

Eine einzelne Antwort an diese Frage gibt es nicht. Es ist eine Mehrzahl an Antworten möglich. Jede Antwort ist berechtigt. Wichtig jedoch ist, dass wir, wenn wir uns Gedanken über die Kunst und deren Sinn machen und nach einer möglichen für uns plausiblen Antwort suchen, uns treu bleiben. Wir dürfen uns selbst nicht verraten. Nur dann kann unsere Antwort eine geltende sein.

Ich habe auch keine Antwort oder, besser ausgedruckt, ich habe keine Antwort in Pillen-Form. Kunst lässt sich konkret nicht definieren, weil sie sich nicht an unsere, in sichtbaren Gütern tastbaren, Bedürfnisse wendet, sondern an unser Inneres appelliert. Aber man darf nicht denken, Kunst sei nur etwas Abstraktes, das wir nicht wirklich benötigen wie das Essen oder einen Dach über dem Kopf. Dies wäre zumindest irreführend. Kunst ist sogar, wenn ich es auszudrucken wagen kann, vernünftig indem sie vielmehr aus der Vernunft stammt, als aus irrationalen Eigenschaften. Damit möchte ich sagen, dass die Kunst nicht etwas außerhalb unserer wichtigsten gar von vielen als prioritären Lebensnotwendigkeiten ist. Sie stammt aus dem Kopf eines Menschen, nämlich des Künstlers. Sie stammt aus Gehirnprozessen, die uns Menschen genau so prägen wie der Instinkt zum Essen oder Trinken. Wir verstehen vernünftigerweise, dass wir dürsten oder hungern. Wenn der Durst dringt, benötigen wir keine außerirdische Erklärung dafür, wir verstehen, dass wir trinken müssen zu unserem Wohl. Genauso zu unserem Wohl verstehen wir, dass wir noch etwas nötig haben, um unserer menschlichen Natur gerecht zu sein: nämlich die Künste, sei es die Musik, die Malerei, die Bildhauerei, die Schauspielerei und so fort. Sicher, das ist auch von unserer persönlichen Entwicklung abhängig, in welchem Maße wir in der Lage sind, diesen Ruf zu spüren. Jedoch ist es in uns allen angeboren.

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