Ein Gemälde: Das grüne Gesicht

Ich habe mich vom Trend und von den verschiedenen Moden in der Kunst ständig fern gehalten. Vielmehr habe ich mein eigenes Empfinden und mein eigenes Wahrnehmen vertieft.

In dem unterstehenden Bild zeige ich ein Gemälde, das das Gesicht einer Frau zeigt, die es eigentlich nicht gibt und trotzdem beim Malen in meiner Wahrnehmung Anwesend war.

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Das Gemälde ist etwa 70 x 70 cm groß und ist auf selbst gespanntem und selbst grundiertem Gewebe gemalt. Auf der grundierten Fläche sind teilweise Strukturen zu sehen, die ich durch das kleben von verschiedenen Arten Papier erzeugt habe.
Die Farben, die ich, um das Gemälde zu malen, verwendet habe, sind unterschiedlicher Herkunft. Einige habe ich selber mit Pigmenten zubereitet, andere bestehen aus Öl und andere noch sind Acrylfarben.
Das Malen an diesem Bild hat insgesamt etwas mehr als 10 Monaten in Anspruch genommen. Das Bild hat sich ständig verwandelt, bis es zur aktuellen Gestalt kam.
Ich finde es das schönste unter meinen rezenten Bilder. Oder sollte ich mich anders ausdrücken: ich finde es an Ausdruck reicher. Ich versuche hier zu erklären, warum es für mich so ist und welche sind die technischen Aspekte, die dazu beitragen.
Das Gesicht, obwohl nicht in einer realistischen-naturalistischen Technik gemalt, wirkt in meinen Augen als „echt“ im Ausdruck und als „echt“ in den Gefühlen, die es mir vermittelt. Einfacher gesagt: das Bild spricht mich an. Aber es ist nicht nur das, sondern auch die Farbgebung. Auf einem vom englischen Rot (Pigmentfarbe) geprägten Hintergrund, bilden sich verschiedene Töne, die einander nicht unbedingt harmonisieren, die aber dazu beitragen, den Gesichtsausdruck zu gestalten. Die Expressivität der Augen, die nass und errötet wirken, war der entscheidende Faktor. Ohne Ihren an Mitgefühl reichen Blick, wäre das Bild nur halb so gut, dessen bin ich mir sicher.
Der Mund der imaginären porträtierten Frau, ist auf einer sehr unnatürlichen Weise Rosa gefärbt. Stark im Kontrast zu den anderen Farben des Bildes. Aber diese Farbe Rosa ist nicht nur für den Mund angewendet worden, sondern auch für die  Augenbraune. Zudem finden wir diese Farbe auch in den Haaren. Ich bin der Meinung, dass die Anwendung dieser Farbe auf dieser Weise, dem Gemälde etwas dramatisches verliert. Selbst wenn es nur mein Eindruck ist, neige ich dazu, die gerade beschriebenen konstitutiven Elemente des Bildes als die wichtigsten zu betrachten.

 

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Wozu Kunst?

Diese Frage ist schon eine kleine Herausforderung. Sie zu beantworten ist sehr wichtig, heute mehr denn je. Ja, heute ist es noch wichtiger eine bedeutende Antwort zu dieser Frage zu finden, weil immer mehr Menschen sich weiter auf den Weg der Entfremdung machen. Kunst, davon bin ich überzeugt, kann dagegen viel tun. Sie kann beitragen, dass die Menschen ihr Inneres wieder entdecken: die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gedanken beflügeln.

Eine einzelne Antwort an diese Frage gibt es nicht. Es ist eine Mehrzahl an Antworten möglich. Jede Antwort ist berechtigt. Wichtig jedoch ist, dass wir, wenn wir uns Gedanken über die Kunst und deren Sinn machen und nach einer möglichen für uns plausiblen Antwort suchen, uns treu bleiben. Wir dürfen uns selbst nicht verraten. Nur dann kann unsere Antwort eine geltende sein.

Ich habe auch keine Antwort oder, besser ausgedruckt, ich habe keine Antwort in Pillen-Form. Kunst lässt sich konkret nicht definieren, weil sie sich nicht an unsere, in sichtbaren Gütern tastbaren, Bedürfnisse wendet, sondern an unser Inneres appelliert. Aber man darf nicht denken, Kunst sei nur etwas Abstraktes, das wir nicht wirklich benötigen wie das Essen oder einen Dach über dem Kopf. Dies wäre zumindest irreführend. Kunst ist sogar, wenn ich es auszudrucken wagen kann, vernünftig indem sie vielmehr aus der Vernunft stammt, als aus irrationalen Eigenschaften. Damit möchte ich sagen, dass die Kunst nicht etwas außerhalb unserer wichtigsten gar von vielen als prioritären Lebensnotwendigkeiten ist. Sie stammt aus dem Kopf eines Menschen, nämlich des Künstlers. Sie stammt aus Gehirnprozessen, die uns Menschen genau so prägen wie der Instinkt zum Essen oder Trinken. Wir verstehen vernünftigerweise, dass wir dürsten oder hungern. Wenn der Durst dringt, benötigen wir keine außerirdische Erklärung dafür, wir verstehen, dass wir trinken müssen zu unserem Wohl. Genauso zu unserem Wohl verstehen wir, dass wir noch etwas nötig haben, um unserer menschlichen Natur gerecht zu sein: nämlich die Künste, sei es die Musik, die Malerei, die Bildhauerei, die Schauspielerei und so fort. Sicher, das ist auch von unserer persönlichen Entwicklung abhängig, in welchem Maße wir in der Lage sind, diesen Ruf zu spüren. Jedoch ist es in uns allen angeboren.

Wo das Leben weht…

So lautet der Untertitel dieses Blogs. Und so lautet auch das Entziffern des Sinnes des Lebens.
Das Leben zu entziffern, ist dies möglich? Sinnvoll? Notwendig?
Jeder muss diese Fragen für sich beantworten, denn es gibt keine wahre, richtige, endgültige Formel zum Leben.
Der Schreiber – wenn du willst, nenne ihn auch Autor – dieses Textes, ist kein Muttersprachler. Er ist vielmehr das, was wir in unserem Alltag als Ausländer kennen und bezeichnen.
Dieser Schreiber, auch Autor oder Ausländer genannt, findet Deutsch eine gute, schöne und zur Beschreibung von innerlichen Aspekten des Lebens sehr gut geeignet Sprache. Da er nun in diesem Land wohnt, findet er angebracht, sich von dieser Sprache nicht nur im Alltag zu bedienen, sondern auch um die schriftliche Anfertigung von Gedanken, um seine Betrachtungen und seine mehr oder weniger literarischen Versuche mit den deutschsprachigen Menschen hier zu teilen.
Ein für alle Mal: der Schreiber ist sich bewusst, dass er sich in seiner Muttersprache deutlich besser ausdrucken kann, aber er scheut sich vor Schönheitsfehlern nicht.
Wer etwas zum Ausdruck bringen möchte, muss damit rechnen, dass seine Fähigkeiten zu dieser Unternehmung begrenzet sind. Der muss sich aber auch bewusst sein, dass die Anerkennung dieser Tatsache in sich kein Hindernis ist.

Selbst wenn du dich in deiner Sache sehr gut auskennst, musst du immer damit rechnen, irgendwann an deine Grenzen zu stoßen. Dann muss du nur noch etwas unternehmen: deine Grenzen erweitern.

In meiner Muttersprache verfüge ich über ein breites Spektrum an Ausdruckmöglichkeiten. Ich habe Artikel, kleine Essays, Erzählungen und Gedichte geschrieben und veröffentlicht. Mit ihr kann ich mein Denken anderen Menschen leicht zugänglich machen. Ich kann die feinsten Nuancen finden, die einen Gedanken greifbar, ja gar sichtbar machen.
In der neuen Fremdsprache kann ich dies nicht. Ich „war“ Dichter. Ich veröffentlichte mein Gedichtband „Il poeta piace morto“ als ich noch sehr jung war. Ich hatte die Möglichkeit und die Fähigkeit, Gefühl, Vernunft, Tatsache, Wahrnehmung in Anklang zu bringen.
Bin ich jetzt kein Dichter mehr? Auf jeden Fall muss ich jetzt mit den Worten mehr denn je ringen und oft daran zweifeln, ob das, was ich ausgedruckt habe, wirklich das vermittelt, was ich mir einbilde. Ob es aussagekräftig ist oder stattdessen vielleicht gar armselig.

Der Dichter, drückt sehr gut metaphorisch Baudelaire in einem seiner Gedichte (Der Albatros) aus, obwohl er mit seinen großen Flügeln sehr hoch fliegen kann, ja höher als die meisten Menschen, befindet er sich in größter Verlegenheit, sobald er sich, auf Erde, mit dem „realen“ alltäglichen Leben konfrontiert. Glücklicherweise bin ich von Beruf bildender Künstler. Wenn ich ein Bild male, oder an einer Skulptur arbeite, spielt die gesprochene Sprache keine Rolle mehr. Nichtdestotrotz spielt die Sprache eine wesentliche Rolle in unserem Leben. An ihr kommt man nicht vorbei. Und ich möchte es auch nicht. Deshalb schreibe ich nun an diesem Blog.